Handtuch-Rhetorik #1


Über die Handtuch-Rhetorik: (aus dem Un-Duden) Als „Handtuch-Rhetoriker“ werden solche bezeichnet, die sich durch das Überwerfen eines Handtuchs die Würde eines römischen Orators (Redners) aneignen können und somit sich im Glauben wiegen, den Gegner durch die Erscheinung beeindrucken zu können.

Satire an.

Ich musste in meiner Schulzeit häufiger Diskussionen mit Worten ausfechten. Meistens stellte sich nach einer gewissen Zeit eine Pattsituation ein, die keine Seite mehr durchbrechen konnte, wollte sie nicht von ihrer eigenen Position abrücken. Lange grübelte ich über mögliche Lösungen, da es mich sehr störte, wenn Diskussionen so endeten. Im Folgenden eine Liste von Argumenten, mit der ihr garantiert jede Diskussion gewinnt!

Die ausgedachte Studie: Dies ist eigentlich der Klassiker schlechthin. Wie oft hatte man schon keine passende Statistik zur Hand, um einen Sachverhalt zu erklären? Die Lösung ist bestechend einfach. Eine Studie ist schnell erfunden, der Inhalt perfekt auf das Argument geschneidert. In einer Diskussion hat niemand so schnell die Möglichkeit, die Informationen zu überprüfen. Ist allerdings nur einmal anwendbar, denn nach der Diskussion kann die Sache schnell auffliegen.

Das verwirrende Wort: Bei längeren Redebeiträgen ist es besonders hinterhältig, zusammenhangslos Wörter wie „Gorilla“ oder „Sandkasten“ einfließen zu lassen. Der Gedankenstrom des Gegenübers wird dadurch unterbrochen und durcheinandergebracht. Wenn er fragt, ob man das Argument erneut erläutern könnte, verfährt man nach dem gleichen Prinzip, wieder baut man unauffällig dieses Wort ein. Die Verwirrung ist nun garantiert und im Zweifelsfall kann man alles abstreiten.

Rhetoriker III
Schon die alten Römer wussten um die Kunst der Rhetorik. Neben abgebildet ist einer der klassischen Handtuch-Rhetoriker. Man beachte die bunte Badehose.

Der intensive Augenkontakt: Den Gegenüber die ganze Zeit über mit weit aufgerissenen Augen anzustarren ist nicht nur hochnotpeinlich, sondern auch sehr effektiv, da dieser sich sofort unwohl fühlt. Wenn dieser einen auffordert, ihn nicht so anzustarren, kann man sich entspannt zurücklehnen.

Ein Angebot, das man nicht ablehnen kann: Während der Diskussion beugt man sich vertrauensvoll zu seinem Gegenüber vor, stützt beide Hände auf den Tisch und flüstert diesem ins Ohr: »Ich mache dir ein Angebot, das du nicht ablehnen kannst.« Möglichst ist dieser Satz mit einem schweren, italienischen Akzent zu kombinieren, um die maximale Wirkung zu erzielen. Im Idealfall stellt der Gegenüber bei einer ausreichenden Geldsumme die Gegenargumente sofort ein.

Die Schlägerbande: Wenn dieses Angebot fehlschlägt, lassen sich immer noch mit einem Fingerzeig die kahlköpfigen Sicherheitskräfte rufen, um den Querulanten des Raumes zu verweisen. Somit ist das Gegenargument sprichwörtlich nicht mehr anwesend. Das Problem wäre hiermit gelöst.

Berufung auf eine höhere Autorität: Wenn man sich in eine argumentative Sackgasse gedrängt sieht, hilft es manchmal doch, sich auf eine höhere, scheinbar unwiderlegbare Autorität zu berufen. Religiöse Texte bieten sich gut dafür an, aber auch Manifeste wie »Das Kapital«. Mit dogmatischem Beharren auf einem Argument wurde noch der tüchtigste Gegenüber ermüdet oder wahlweise in den Wahnsinn getrieben.

Flucht: Sollte man überrumpelt werden und in die Enge gedrängt sein, bleibt selbstverständlich noch die physische Flucht, indem man aufsteht und schnellen Schrittes den Raum verlässt. Man verliert das Gesicht, aber sicherlich nicht die Diskussion. Um nicht rot zu werden, sollte sich hierbei nicht umdrehen oder noch schlimmer, wieder zurückkehren.

Die Offenbarung: Hierzu muss man dem Lichteffekteverantwortlichen, insofern einer existierte, einen Drink ausgeben. Dieser beleuchtet genau im richtigen Moment der Debatte deinen Körper, um einen großartigen Effekt zu erzielen. »Ich verkünde Wahrheit«, heißt es dann. Alleine die Überraschung dürfte dem Gegner die Worte verschlagen.

Haarspalterei und Erbsenzählerei: Anstatt konstruktiv auf ein Ergebnis hinzuwirken, bietet es sich bei manchen Themen an, möglichst erbsenzählerisch zu sein, d.h. Zahlen gezielt zu hinterfragen oder den Gegner in Detailfragen zu verstricken. Damit lässt sich effektiv Zeit gewinnen.

Der Persönliche Angriff: Der Klassiker unter den unfairen Argumenten, daher habe ich ihn als feststehenden Begriff gekennzeichnet. Kommentare wie »bei der Körpergröße würde ich mir das Argument sparen« oder »wer eine sechs in Gemeinschaftskunde hatte, hat bei dieser Diskussion eigentlich nichts verloren« untergraben nicht nur die eigene Glaubwürdigkeit und Seriosität, sondern auch die des Gegners. Es ist nur zu hoffen, dass er mehr Schaden nimmt als man selbst.

Der ehrliche Schlagabtausch: Wo liegt der Sinn in einer netten Diskussion, wenn ihr Ausgang ohnehin vorbestimmt ist? Exakt: Es gibt gar keinen. Eine Diskussion ist für die Teilnehmer meistens bereichernd und dieses Erlebnis wünsche ich jedem! Schließlich sollte nicht jeder ein Handtuch-Rhetoriker sein.

Satire aus.


Niclas Frederic Sturm

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