Der Sturm

Eine Geschichte der Verzweiflung

Er ist ein einsamer Wanderer auf steinigen Pfaden. Zu allen Seiten drohen hohe, schwarze Tannen ihn zu verschlingen. Aus allen Himmelsrichtungen droht ein Sturm. Windböen ziehen heran, von allen Seiten. Bringen ihn ins Wanken, doch er hält stand, schwankt nicht. Wohin soll er gehen? Überall lauern Gefahren, aus dunklen Hecken durchdringen ihn rote Augen, bedrohlich knurrend. Er ist allein. Über ihm rauschen die Blätter. Stimmen kriechen aus den Ästen. Dunkelheit senkt sich über das Land. Das Feld wird zu einem tosenden Meer, Felsen ragen daraus hervor, die sich wehren. Doch auch sie werden scheitern. Der scheiternde Lotse steuert durch hohe Wellen, die über ihn weit hinausragen. Schlünde der Zerstörung öffnen sich über ihm. Wohin soll er gehen? Am Horizont scheint ein Licht. Ein kleiner, unschuldiger Schein. Daran kauert sich ein alter Mann, der die Welt noch hat anders gesehen. Doch er verblasst, so auch das Licht. Er ist ein Wanderer auf blutigen Pfaden. Um ihn kreisen die Geister, Tod, Gewalt und Hass heißen sie. Sie sind blind und doch wissen sie, wo er ist. Immer dichter drängen sie sich an ihn. Der Wanderer beginnt zu rennen, stolpert, doch er hält nicht. Die Geister reißen an ihm, zerren an ihm, wollen ihn halten. Hinter ihm rast die Nacht auf ihn zu. Bald ist es zu spät. Und das Licht wird immer schwächer. Der Wanderer ruft: »Lasst mich los«, doch sie kommen näher. Er fällt. Vor ihm erlischt das Licht. Er schreit. Tränen steigen ihm in die Augen. Scharfe Klauen hieben auf ihn ein. Seine Worte ersticken im endlosen Strom der Verzweiflung. Er fürchtet sich. Kälte umfasst ihn. Die Geister wispern: »Wir sind ein Teil von dir.« Zurück bleibt das Nichts, eine leere Hülle, ausgeweidet von den Menschenfeinden. Das Licht ist erloschen. Er war ein Wanderer auf engen Pfaden. Sein Schrei ist unsere Chance.


NFS – 2015

 

3 Kommentare zu „Der Sturm

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