Jahreszeiten und Literatur #Sommer

Salve!

langsam lässt Sommer sein blaues Band wieder flattern durch die Lüfte. Ähnlich wie im wirklichen Leben auch beeinflussen Jahreszeiten die Literatur. Die Poetisierung der Natur war eines der Kernmerkmale der Romantik. Mit dem Winter wird von vielen der Tod  verbunden. Überhaupt ist der Zyklus der Jahreszeiten, den die Natur und damit der Mensch innerhalb eines Jahres durchläuft, oft eine Metapher für das Leben an sich. Frühling, die Geburt, das blühende Leben, der Sommer, reine Lebensfreude und Abenteuer, der Herbst, Melancholie und Sehnsucht nach dem Sommer, der Winter, Tod und das Ende.

Die Wahl der Jahreszeiten ist auch für einen Schriftsteller von großer Bedeutung. Mit bestimmten Jahreszeiten assoziiere ich spezielle Erfahrungen, Gefühle und Erinnerungen. Ich beginne das Abwarten auf den Jahreszeitenwechsel meistens im Frühling, wenn das eine Extrem des Klimas ins andere umschlägt. Vom milden, nasskalten Wetter des auslaufenden Winters, über die frühe Hitze des Mai bis hin zu den schwülen Juli- und Augusttagen.

Nach einer langen, sonnenfreien Zeit sah ich also heute die Gelegenheit, es mir auf der Terrasse bequem zu machen. Unter großen Anstrengungen wuchtete ich die Stoffauflagen hinauf. Die Sonne stand hoch am azurblauen Himmel, der nur gelegentlich von Kondensstreifen der in der Nähe startenden Flugzeuge mit Kurzurlaubtouristen durchbrochen wurde. Ich winkte den Fluggästen zu. Entspannt ließ ich mich nieder, setzte meine Sonnenbrille auf und schlürfte meinen Erdbeer-Banane-Milchshake. Das Leben konnte einfach nicht besser sein. Ich hörte dem harmonischen Hämmern des Nachbars zu, der an diesem wunderschönen Tag Arbeiten am Haus vornahm. Zu metallenen Klängen vertiefte ich mich in anspruchslose Lektüre, einem Sachbuch über die römische Republik. Ob es Pompeius oder Caesar auch genossen, einen sonnigen Tag auf der Terrasse zu verbringen? Vielleicht begleitet mit Klängen der Lyra oder Sängern? Mit Blick auf die Arbeiter der riesigen Latifundien? Nun war ich nicht so veranlagt, mit genießerischer Dekadenz einen Traubenstock zu verzehren. Pollen schwirrten wie Sommerschnee durch die Luft und ließen mich abwechselnd niesen und nach Luft schnappen. Es war etwas dran andere Vermutung, dass sich mit dem Klimawandel die Jahreszeiten überlappten. Im Sommer schien es zu schneien, im Winter zu regnen, vom Herbst ganz zu schweigen. Ohne Zweifel würde mir unter diesen paradiesischen Umständen neue Ideen für meinen Roman einfallen, mehr noch würde ich die Literatur revolutionieren – Autoren aller Länder vereinigt euch!

Die Hitze umschwirrte meinen Kopf wie eine ständig läutende Glocke. Um mich der stehenden Hitze zu entziehen, dachte ich, ich schlüge sie am besten mit ihren eigenen Waffen, indem ich mich bewegte. Daher ging ich eine kleine Runde mit meinem Hund spazieren. So wie ich durch die saftig grünen Wiesen stapfte, kam mir eine Frage in den Sinn, die ich mir noch nie zuvor gestellt hatte: Was wäre, wenn das Grün der Landschaft durch ein sattes Blau ersetzt würde? Würden Menschen dann genauso reagieren wie auf blaue Gummibärchen? Der Boden war übersät von weißen Schneemassen…Oh, Moment, es war ja Sommer! Meine Augen tränten und meine Nase juckte, als würde jemand sie ständig mit einer Feder kitzeln. Unter meinen Füßen knirschte das Kies. Ich genoss die Einsamkeit. Vor einem Monat erst hielt ich das Abschlusszeugnis in der Hand und fragte mich: »Das war’s?« Familien lagen sich in den Armen, es wurden nette Abschiedsworte ausgetauscht und doch bleibt das Gefühl, ein wenig von der Zeit abgehängt worden zu sein. Der wunderbar geregelte Tagesablauf wurde durch einen aristokratischen Müßiggang abgelöst. Nur besaß ich keine ausladenden Ländereien wie Caesar, um darin zu spazieren, doch im Gegensatz zu ihm darf ich mich glücklich schätzen – ich habe die Iden des März überlebt

Ich kehrte zurück und hatte die Zeit völlig vergessen. Es war bereits sieben Uhr. Der Stand der Sonne hatte mich getäuscht. Schon ein wenig frech, dieser Stern. Wenn man nach oben sieht, um den Stand der Sonne abzulesen, wird man gnadenlos geblendet und muss sich auf Uhren verlassen. Mein Hund sah mich erschöpft an und hechelte. Auch sie wollte zurück in  die Kühle.

Trotz allem war ich erstaunlich gut gelaunt und goss die Blumen. An guten Tagen wie diesen bin ich motiviert. Wären da nicht die Malaria-Mücken-ähnlichen Mücken, durch die sich mein Körper in einem permanenten Belagerungszustand befindet und ich gezwungen bin, Schuhplattler aufzuführen, um mich zu verteidigen. Der Sommer erinnerte mich immer wieder daran, wie sehr alles vom richtigen Maß abhing. Schien die Sonne zu wenig, gingen Blumen ein, schien sie zu viel, so verdorrten sie. In der Mitte erst, im wohltemperierten Bereich zwischen Hitze und Kälte, konnten auch Blumen gedeihen. Ich liebte den Sommer. Sommer bedeutet Veränderung. Ehe man sich versieht, ist er vorbei und die ungeliebten, kratzigen Wollpullover müssen aus dem Schrank geholt werden. Sommer ist auch die Jahreszeit, um sich auf Veränderungen einzulassen. Es ist vielleicht wirklich der letzte Sommer. Was kommt danach? Studium, Berufsleben…und das soll es schon sein? Wenigstens eine Pioniertat möchte ich allerdings schon vollbringen, z.B der erste Mensch auf dem Mars, der Entdecker von El Dorado – Indiana Jones war schon immer eines meiner Idole. Am Ende des Tages bleibt immer Zeit zu träumen und mit einem melancholischen Lächeln dem Sonnenuntergang entgegenzusehen, so wie die Menschen vor zweitausend Jahren auch schon taten.

Niclas Frederic Sturm

 

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