Streifzug zu Viert

Ein Streifzug durch die Nacht ist immer etwas Besonderes. Alle Eile streift man ab, wenn man — während es alle Menschen von den Straßen zieht — diese erneut betritt und den Blick ziellos suchend umherschweifen lässt. Weniger ist man auf der Suche nach einem konkreten Ziel, einem bestimmten Ziel, sondern versucht dies erst zu entdecken. Die Straßen sind unnatürlich hell beleuchtet. Autos rasen mit eigentümlicher Geschwindigkeit über den Asphalt. In den ersten Wohnungen gehen die Lichter aus. Monumente der Stadt werden grell angestrahlt, wie Popstars der Architektur. Umso schöner ist es, die nächtliche Stadt mit Freunden zu erkunden. Man trinkt gemeinsam von der berauschenden Luft, die fern der Sorgen des Tages ist. Man ist erschöpft von den Erkundungen des Tages und doch bleibt Kraft, in die Nacht einzutauchen. Denn in der Nacht die Seele zu entfesseln, die tagsüber in ein Korsett geschnürt auf Befreiung wartet, ist das wahre Ziel des Tages. So biegt man von den breiten Alleen der historischen Altstadt ein in die dunklen Straßen, in denen das Leben pulsiert. Restaurants links und rechts, aus manchen dringt dezent-galoppierende Klaviermusik. Vorbei an innerstädtischen Parks, in denen sich Baumwipfel im aufziehenden Abendwinden neigen und biegen. Von Ferne erschallt Lachen, dröhnt die Musik, pulsiert die Nacht. Hinein in verrauchte Ruinen, die in der Nacht zu neuem Leben erwachen. Vorbei und durch Menschenmengen, die in enger Umarmung kreisen; immer schneller werden sie. Über uns strahlen die Sterne der Nacht. Sie werfen Licht und Schatten. Der Boden vibriert durch das Wummern des Basses. Angetrieben durch ekstatische Manie springen die Menschen in die Höhe, rufen und brüllen. Es ist, als würden die Leute zu einem Schwarm verbunden. Bald aber verlassen wir den Ort wieder. Wenn man nicht gehen will, gehe, heißt es. Zurück und vorbei an den dunklen Schaufenstern, die zu Beginn des Tages sich träge recken. Müdigkeit überfällt uns. Die Nacht ist jedoch nicht kühl, sondern umgibt uns unbarmherzig mit Hitze. Doch die Erfahrungen der Nacht bereiten uns Vergessen. Wie ein Schild umgibt uns Euphorie. Ach, wie schön es ist, durch die Nacht zu streifen!

3 Kommentare zu „Streifzug zu Viert

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